5 Minuten für euer Team
– über vorschnelle Zuschreibungen, unterschiedliche Perspektiven und einen offenen Blick auf Kinder.
„Er provoziert schon wieder.“ „Sie will immer im Mittelpunkt stehen.“ „Das Kind ist einfach schwierig.“
Solche Aussagen entstehen im pädagogischen Alltag manchmal ganz nebenbei. Möglicherweise besonders dann, wenn es laut wird, die Zeit knapp ist oder eine Situation uns herausfordert.
Dabei beschreiben sie weniger das, was wir tatsächlich beobachten, als vielmehr unsere Interpretation des Verhaltens.
Ein Kind wirft Bausteine auf den Boden. Das können wir beobachten. Ob es provozieren möchte, überfordert ist, etwas ausprobieren will oder gerade Unterstützung braucht, wissen wir zunächst nicht.
Beobachten bedeutet, möglichst genau wahrzunehmen, was geschieht. Bewerten bedeutet, diesem Geschehen eine Bedeutung zuzuschreiben. Beides gehört zu unserem Alltag. Entscheidend ist, dass wir uns des Unterschieds bewusst bleiben.
Denn unsere Einschätzungen beeinflussen, wie wir Kindern begegnen, was wir ihnen zutrauen und welche Möglichkeiten wir ihnen eröffnen.
Die Impulsfragen
Denkt gemeinsam an eine Situation aus eurem Alltag, in der das Verhalten eines Kindes als schwierig, störend oder unangemessen beschrieben wurde.
- Was haben wir tatsächlich gesehen oder gehört? Wie würden wir die Situation beschreiben, ohne dem Kind eine Absicht oder Eigenschaft zuzuschreiben?
- Welche Erklärung haben wir dem Verhalten gegeben? Worauf stützt sich unsere Einschätzung?
- Welche anderen Gründe könnte es für das Verhalten geben? Welche Bedürfnisse, Gefühle oder Umstände kennen wir möglicherweise noch nicht?
- Wie verändert sich unser Umgang mit dem Kind, wenn wir zunächst neugierig bleiben und nachfragen?
- Was nehmen wir daraus für unsere Beobachtungen und Gespräche im Team mit?
Es geht darum, die eigenen Wahrnehmungen und Deutungen zu reflektieren und gemeinsam einen möglichst offenen Blick auf Kinder zu bewahren.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Eine Beobachtung beschreibt, was ein Kind tut. Eine Bewertung behauptet zu wissen, warum es das tut.
Unsere Erfahrungen und unser Fachwissen helfen uns, Verhalten einzuordnen. Gleichzeitig verdient jedes Kind die Möglichkeit, dass wir unsere ersten Einschätzungen hinterfragen und seine Perspektive einbeziehen.
Gerade in herausfordernden Situationen kann es hilfreich sein, kurz innezuhalten und sich zu fragen:
Was weiß ich wirklich – und was vermute ich gerade?
Dieser kleine Unterschied in unserer Haltung kann einen großen Unterschied für das Kind machen.