Menschen annehmen, wie sie sind
Manchmal leben Kinder ganz selbstverständlich, was uns Erwachsenen so schwerfällt.
Vor Kurzem durfte ich während der Eingewöhnung einiger neuer Kinder in unserer Kita wieder eine besonders schöne Erfahrung machen.
Zwei der Kinder sprachen zu Beginn kein Wort Deutsch. Auf den ersten Blick mag eine Eingewöhnung unter diesen Umständen besonders schwierig erscheinen. Doch die Kinder haben uns etwas anderes gezeigt.
Natürlich ist die Verständigung nicht immer einfach, wenn wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Aber Kommunikation ist so viel mehr als gesprochene Worte.
Die neuen Kinder äußerten ihre Bedürfnisse ganz selbstverständlich in ihrer Muttersprache. Wir als pädagogische Mitarbeitende begleiteten sie mit Gesten, Mimik, einfachen Erklärungen und viel Aufmerksamkeit. Schritt für Schritt fanden wir Wege, einander zu verstehen.
Und die anderen Kinder?
Für sie schien die unterschiedliche Sprache überhaupt kein Hindernis zu sein. Sie spielten miteinander, entdeckten gemeinsame Interessen und verständigten sich durch Blicke, Bewegungen, Gesten und gemeinsames Tun.
Niemand fragte danach, woher das andere Kind kam, warum es eine andere Sprache sprach oder eine andere Hautfarbe hatte. Entscheidend war, was sie miteinander erleben konnten.
Inzwischen sind die neuen Kinder ganz selbstverständlich Teil unserer Gruppe geworden.
Diese Erfahrung hat mich erneut nachdenklich gemacht.
Warum fällt es uns Erwachsenen manchmal so schwer, Menschen anzunehmen, die wir als „anders“ wahrnehmen? Warum beschäftigen uns Unterschiede oft mehr als das, was uns verbindet?
Kinder zeigen uns, wie unkompliziert Begegnungen sein können, wenn wir neugierig aufeinander zugehen und uns nicht von Vorurteilen leiten lassen.
Natürlich begegnen auch Kinder einander nicht immer unvoreingenommen. Sie entwickeln eigene Vorstellungen, übernehmen Vorurteile aus ihrem Umfeld und müssen lernen, mit Unterschieden, Missverständnissen und Konflikten umzugehen. Umso wertvoller sind jene Momente, in denen sie uns zeigen, wie offen und selbstverständlich ein Miteinander gelingen kann.
Vielleicht können wir Erwachsenen öfter von Kindern lernen
Nicht zuerst auf das schauen, was uns unterscheidet, sondern auf den Menschen, der uns gegenübersteht.
Denn Menschlichkeit braucht nicht immer eine gemeinsame Sprache. Manchmal genügt die Bereitschaft, einander mit Offenheit und Wertschätzung zu begegnen.