5 Minuten für euer Team
– über Sprache, persönliche Verantwortung, Präsenz und die Bedeutung von Nähe und Verbindung.
„Man müsste den Kindern mehr zuhören.“
„Man sollte öfter die Eltern einbeziehen.“
„Man könnte in solchen Situationen anders reagieren.“
Solche Sätze begegnen uns im pädagogischen Alltag häufig. Sie beschreiben gute Absichten, benennen Probleme oder regen Veränderungen an.
Doch wer ist eigentlich mit „man“ gemeint?
Das kleine Wort schafft Abstand. Es spricht über etwas, ohne deutlich zu machen, wer sich angesprochen fühlt, wer handelt oder wer Verantwortung übernimmt.
Wie verändert sich ein Satz, wenn wir stattdessen von uns selbst sprechen?
„Ich möchte den Kindern mehr zuhören.“
„Ich werde die Eltern häufiger einbeziehen.“
„Ich möchte in solchen Situationen anders reagieren.“
Plötzlich wird aus einer allgemeinen Überlegung eine persönliche Aussage. Wir werden als Menschen sichtbar – mit unseren Gedanken, Gefühlen, Wünschen und unserer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Auch für Beziehungen kann das einen Unterschied machen. Ein „Ich habe mich über unser Gespräch gefreut“ vermittelt persönliche Nähe. Ein „Ich brauche gerade etwas Ruhe“ macht ein eigenes Bedürfnis erkennbar. Und ein „Ich habe mich geärgert“ eröffnet eher die Möglichkeit zum Austausch als ein allgemeines „So etwas macht man nicht“.
Ich-Aussagen können Verständigung erleichtern, ohne dass andere unsere Sichtweise übernehmen müssen. Sie helfen uns, bei uns selbst zu bleiben und zugleich mit unserem Gegenüber in Verbindung zu treten.
Natürlich ist „man“ nicht grundsätzlich falsch. Es gibt Situationen, in denen allgemeine Aussagen sinnvoll sind. Entscheidend ist, ob wir uns hinter ihnen verstecken, obwohl wir eigentlich von uns selbst sprechen möchten.
Die Impulsfragen
Denkt gemeinsam an eine Aussage aus eurem heutigen Alltag, in der ihr „man“ verwendet habt oder hättet verwenden können.
- Was verändert sich, wenn wir das „man“ durch ein „ich“ ersetzen? Klingt die Aussage persönlicher, verbindlicher oder vielleicht auch ungewohnt?
- Welche Verantwortung wird sichtbar? Beschreiben wir lediglich, was andere tun sollten, oder benennen wir, was wir selbst beitragen möchten?
- Was geschieht in der Beziehung? Wie unterschiedlich wirken „Man hört dir ja gar nicht zu“ und „Ich habe gerade das Gefühl, nicht gehört zu werden“?
- Wo fällt uns das Ich-Sprechen schwer? Wann möchten wir uns schützen, Unsicherheit ausdrücken oder bewusst Abstand halten?
- Was nehmen wir daraus mit? In welcher Situation möchten wir künftig deutlicher aus unserer eigenen Perspektive sprechen?
Es geht nicht darum, jedes „man“ aus unserem Sprachgebrauch zu streichen. Es geht darum, bewusster wahrzunehmen, wann unsere Sprache Nähe ermöglicht, Verantwortung sichtbar macht oder Distanz entstehen lässt.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Ein Ich macht uns sichtbar.
Wer „ich“ sagt, zeigt etwas von sich selbst: eine Wahrnehmung, ein Gefühl, ein Bedürfnis oder eine Entscheidung.
Das erfordert manchmal Mut. Denn persönliche Aussagen machen uns auch ein Stück verletzlich.
Doch gerade darin liegt eine Chance für Verbindung. Kinder, Familien und Kolleg*innen begegnen nicht nur allgemeinen Erwartungen und Regeln, sondern Menschen, die ihre Gedanken und Grenzen ausdrücken und Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen.
Dabei bleibt wichtig: Nicht jede Ich-Aussage ist automatisch wertschätzend. Auch ein „Ich will das so“ kann andere übergehen. Entscheidend ist, ob wir unsere eigene Perspektive benennen und zugleich offen für die Perspektiven anderer bleiben.
Denn ein ausgesprochenes Ich kann der Anfang eines echten Wir sein.